Dienstag: Der zweite Arbeitstag ist vorüber, Hannes und ich sitzen etwas frustriert im Wohnzimmer. Aber ich fange von vorne an zu erzählen… Der Tag fing fast ganz normal an; bei der morgendlichen Andacht brach mein Stuhl zusammen. Der Stuhl war wohl sehr alt, trotzdem ist meine Motivation abzunehmen nun noch stärker geworden.
Ab der Mittagszeit ging dann eine Katastrophe nach der anderen los. Was sowieso schon etwas unangenehm war, ist mein Unwohlsein im Magen. Seit gestern haben wir außerdem kein Wasser (was zusammen mit der Verdauungsstörung doppelt unangenehm ist), seit heute Mittag dann auch keinen Strom mehr. Auf der Arbeit gibt es für solche Fälle einen Dieselgenerator.
Hannes war mit Martin, einem Gasthelfer aus Belgien, heute früh in der Stadt im Internetcafé um ein paar Treiber herunterzuladen. Dabei haben sie sich auf dem Laptop, den sie dabei hatten, einen Virus eingefangen, der sich dann auf dem Netzwerk von GILLBT schlagartig ausbreitete. Kaum hatten wir dies bemerkt, fiel der Strom komplett aus. Der Generator war überhitzt, und das Dach fing schon an zu brennen. Im Computer Support haben wir immer noch zwei LKW-Batterien, so dass wir noch einige Zeit arbeiten und das Ausmaß des Schadens schon einmal abschätzen konnten.
Gerade ist die Stromversorgung wieder hergestellt worden. Somit gibt es für morgen früh schon einmal ganz gute Bedingungen weiterzuarbeiten. Es muss festgestellt werden, ob und welche Daten von dem Virus betroffen sind, welche Computer infiziert wurden, und eine gute Strategie überlegt werden, alle Vorkommen des Virus zu eliminieren. Bis das geschehen ist, wird kein Arbeiten an den Computern möglich sein und einiges an Arbeit bei GILLBT stehen bleiben.
Das hört sich jetzt alles wahrscheinlich schlimm an, und es sind auch alles dringende Gebetsanliegen. Aber man ist hier vor Ort vor allem auf die Ausfälle vorbereitet. Für die Daten gibt es ein Backup, ebenso für das Wasser, das man dann aus dem Reservetank im Garten holen muss. Gegen den Durchfall helfen auch Guavenblätter, wenn es gerade keine anderen Medikamente gibt. Bei Stromausfall gibt es Öl- und Taschenlampen. Das Leben hier ist nicht im gleichen Maße abhängig von den Dingen, die im Westen selbstverständlich sind. Trotzdem werde ich morgen in die Stadt fahren und Kohletabletten kaufen falls es bis dahin nicht besser wird!